Die meisten Künstler haben heute ihre eigenen Ateliers, in denen sie arbeiten. Als Atelier eignet sich eine kleine Ecke im Wohnzimmer, ein Raum im Keller und natürlich auch eine eigens dafür angekaufte oder angemietete Wohnung oder Halle. Die Größe wird zum einen dadurch bestimmt, welche finanziellen Möglichkeiten der Künstler hat, zum anderen von der Menge und den Ausmaßen seiner Werke. Wer nur auf einer normalen Staffelei malt, der wird mit weniger Raum auskommen als jemand, der großformatige Bilder schafft. Gleiches gilt für Bildhauer: Wer in Stein meißelt wird kaum ein Atelier im vierten Stock haben. Gerade die Bildhauer mieten sich oft größere Räumlichkeiten ausserhalb der Wohnbezirke, weil ihre Arbeit oft mit Lärm und Staub verbunden ist.

Für die meisten Künstler ist das Atelier ein Arbeitsplatz wie für uns das Büro. Sie gehen morgens dorthin, arbeiten an ihren Werken, machen vielleicht eine Mittagspause und gehen am Abend nach Hause.

Dabei war ein Atelier nicht mehr ein Platz der Einsamkeit. Noch im 19. Jahrhundert war es üblich, dass im Atelier auch andere Künstler ausgebildet wurden. Es wurde geführt von einem Meister, der dann auch Lehrvorträge hielt. Die jungen Künstler durften am Anfang nur Handreichungen machen, kleine Skizzen machen, vor allem aber den Anweisungen des Meisters folgen. Wer etwas weiter fortgeschritten war, durfte auch Teile von Bildern erschaffen. Die Ateliers waren damit die Vorläufer der Kunstschulen.

Auch heute ist es üblich, dass Künstler sich gegenseitig einladen und zusammen in einem Atelier arbeiten. Manchmal öffnen Maler und Bildhauer auch ihre Räumlichkeiten der Öffentlichkeit, sei es für eine Veranstaltung oder auch dauerhaft. Dann kann man hautnah sehen, wie ein Künstler arbeitet, wie seine Prozesse sind und man kann natürlich auch Werke kaufen. In vielen Fällen erfüllt nämlich ein Atelier auch die Funktionen einer Galerie. Das hat den Vorteil das ein Künstler keine Kommissionen bezahlen muss, sondern die Einnahmen für sich behalten kann.