Kunst ist nicht allein an klassische Ausgangsstoffe gebunden. Vielmehr wird heute alles in der Kunst verwendet, was man zu solcher verarbeiten kann. Ein recht neuer Kunstwerkstoff ist Plastik. Dabei hatte man sich bereits 1968 in einer Ausstellung mit dem neuen industriellen Kunststoff beschäftigt und ihn in Kunstwerken gefunden. Alleine der Name ist schon eine fast philosophische Auseinandersetzung. Denn Kunststoff ist natürlich ein künstlicher Stoff, der so nicht in der Natur vorkommt. Aber der Name verlangt es geradezu aus diesem Stoff auch Kunst zu machen. Und noch mehr: Auch das andere geläufige Wort “Plastik” hat eine Entsprechung in der Kunst. So ist es kaum ein Wunder, dass immer wieder Künstler sich mit dem künstlichen Stoff beschäftigt haben und daraus Kunst gemacht haben.

Silvia Will ist eine Künstlerin, die aus Alltags-Kunststoffen Kunstwerke gemacht hat. Kunststoff, sagt sie, ist allgegenwärtig. Wir begegnen ihm heute überall und selbst in den entlegensten Winkeln der Welt werden wir schon eine Plastiktüte oder eine Wasserflasche aus Kunststoff finden. Kann ein solcher Werkstoff Kunst sein?

Mit Sicherheit, denn Künstler verwenden ihn, und oft genug nicht als Rohstoff, sondern als Abfallprodukt, dem ein neuer Sinn, eine neue Bedeutung gegeben wird. Eine Abtropfmatte wird aus ihrem Umfeld und Zusammenhang gerissen, wird bemalt und so zur Leinwand, ihrer ursprünglichen Funktion beraubt, zum bloßen Kanvas verkommen.

Ganz einfach ist der Werkstoff übrigens nicht: Je nach Ausgangsstoffen hält er nicht lange. Manche alte harte Kunststoffe werden mit der Zeit spröde und lösen sich auf. Mittlerweile ist das in einigen Museen zu einem Problem geworden, und Restaurateure sahen sich einer großen Herausforderung gegenüber. Gerade bei Werken aus gebrauchten Kunststoffen kann man den Verfall deutlich beobachten. Man kann sich natürlich fragen, ob das vom Künstler so gewollt war. In machen Fällen ist das durchaus der Fall, zum Beispiel um die Vergänglichkeit eines Kunstwerkes darzustellen. Aber oftmals hat man einfach nicht daran gedacht.